HARTWIG am Mittwoch: Das besondere „P” in Leer

Artikel teilen

HARTWIG am MITTWOCH ist eine Kolumne, die ab sofort immer zuerst mittwochs in der Ostfriesland-Ausgabe der Nordwestzeitung und der Emder-Zeitung erscheint.

Wer mit einem aufmerksamen Blick durch die Altstadt von Leer geht, dem fällt auf: An so einigen – meist historischen – Häusern ist neben der Haustür ein „P“ angebracht. Was steckt hinter diesem „P“?

Das „P“ steht für einen Mann, der – ausgestattet mit einer großen Verbundenheit für seine Heimat und einer Vorliebe für historische Gebäude – seit vielen Jahren „in die Jahre gekommene“ Immobilen in der Ledastadt, oder beispielsweise auch in Weener, zu neuem Glanz verhilft. P = Prahm, Günter. Mit seinem Elan ist beispielsweise das Martin-Luther-Haus – einstmals Armenhaus und später dann Haus der Luthergemeinde – in der Leeraner Altstadt komplett saniert und zur Heimat des heutigen Business-Campus Leer geworden. Junge Talente aus Ost-Friesland studieren hier im Dualen System Betriebswirtschaft.

Herr „P“ – immer unterstützt durch seine Frau Lore – hinterlässt aber keineswegs nur bauliche Akzente in der Region, sondern ist auch maßgeblicher Motor für vieles, was mit Heimatgeschichte zu tun hat. Jahrzehnte führte er den Püntenverein, der sich um den Erhalt der ältesten per Hand betriebene Wagenfähre in Europa am Zusammenfluss der beiden Flüsse Leda und Jümme kümmert. Sie ist erstmals 1562 erwähnt worden. Und Prahm ist der Motor des Schipper-Klottje, einem Verein, der auf das Jahr 1994 zurückgeht. Ein Verein, dessen Aktivitäten nicht mehr wegzudenken sind. Der „Wiehnachtsmarkt achter d’Waag“ ist an den Adventssonntagen der Anziehungspunkt in Leer, das Treffen der Traditionsschiffe alle zwei Jahre oder das Maibaumaufstellen – mit seinen Aktivitäten verleiht der Verein der Stadt regelmäßig Charme. Der Museumshafen mit Schleppern und der Mutte „Altje von Südgeorgsfehn“ sind Hingucker – nicht nur für die vielen Touristen, die seit Jahren mehr und mehr die Kreisstadt als attraktives Ziel erkannt haben.

Nun ist Herr „P“ nicht mehr der Jüngste. Er wird in diesem Jahr 90. Und selbst, wenn er immer noch Tag für Tag voller Aktivitäten steckt, denkt der jahrzehntelang erfolgreiche Unternehmer über den Tag hinaus. Das aktuelle Beispiel ist die Weichenstellungen für den Verein Schipper-Klottje. Dort hat er nun den Vorsitz nach mehr als einem Vierteljahrhundert in jüngere Hände gegeben – und einen „Macher“ gefunden. Dieter Schröer war viele Jahre oberster Wirtschaftsförderer beim Landkreis Leer und hat dort unter Beweis gestellt, dass auch Verwaltungsfachleute unternehmerisch denken und handeln können. Man darf also gespannt sein, was der 71-Jährige und sein Vorstandsteam – wenn dann Corona nicht mehr die Aktivitäten ausbremst – in Zukunft auf die Beine stellen werden. Herr „P“ wird es mit Freude beobachten – und es sich nicht nehmen lassen, weiter an vielen Stellen mitzuhelfen. Man darf gespannt sein, ob und wie Politik und Verwaltung das Wirken von Herrn „P“ zu Lebzeiten zu würdigen wissen. Verdient hätte er es.

https://www.nwzonline.de/plus-ostfriesland/leer-p-wie-prahm-guenther-holger-hartwig-ueber-einen-ganz-besonderen-mann_a_51,3,201058445.html

Holger HartwigHARTWIG am Mittwoch: Das besondere „P” in Leer