Die undichte Stelle

Die undichte Stelle

Bei der Arbeit in einer Redaktion kommt es täglich darauf an, dass mit Informationen sorgsam und vertraulich umgegangen wird. Das gilt mit Blick auf Informanten, aber auch im Umgang innerhalb der Redaktion. Alles, was in den Konferenzen besprochen wird, sollte die Räume nicht verlassen, zumal mancher Spitzname für Akteure in der Region oder manch` bewertender Satz auch eher nicht „zitierfähig“ ist.

Vor vielen Jahren übernehme ich eine Redaktion. Die Aufgabenstellung hat es in sich, mein Vorgänger hat die journalistische Arbeit über mehrere Jahrzehnte – und das ist vorsichtig formuliert – stark geprägt und auf seine Art und Weise Akzente gesetzt. Ich kann nicht sagen, dass ich den Eindruck habe, dass ich in der Region als Ostfriese wirklich willkommen bin. Manches Erlebnis ist schon in den ersten Wochen sehr speziell…

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Der Sarg in der Ratssitzung

Der Sarg in der Ratssitzung

In über 30 Jahren als Journalist sind die Sitzungen von Gremien auf Gemeinde-, Stadt- und Kreisebene oft durch Langeweile geprägt, weil nicht selten Jeder oder Jede zu einem Thema etwas sagen muss, auch wenn bereits alles gesagt ist. Oft ist der Redakteur auch der einzige Vertreter der Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung machen die Sachen ansonsten unter sich aus. Und noch öfter gehen Sitzungen auf einmal sehr zügig voran, wenn sich die Presseleute einig sind, dass sie in die Redaktion fahren und den Rest der Themen nachtelefonieren. Doch dann gibt es Sitzungen, die sind legendär. Meine Top 3…

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Die Tierpark-Rettung und kleine Waschbär „Holgi“

Die Tierpark-Rettung und kleine Waschbär „Holgi“

Aktionen mit den Lesern einer Zeitung habe ich den über 30 Jahren im Medienbereich viele gemacht. Das reichte von Malwettbewerben für Kinder, Fotowettbewerben zu besonderen Anlässen, Gewinnspielen mit einer Kreuzfahrt als Hauptpreis bis hin zum Aufruf, was einem an der Heimat so gut gefällt. Die beste Aktion ist im Rückblick immer noch die allererste. Das war Anfang 1991 in Wolgast. Denn, obwohl die Menschen nach dem Zusammenbruch des kommunistischen DDR-Systems wirtschaftlich in einer Orientierungsphase mit Arbeitsplatzsuche etc. sind (das ist jetzt sehr vorsichtig ausgedrückt, viele hatten schlichtweg Existenzängste), ist die Reaktion der Leser bis heute für mich wie ein kleines „Wunder“.

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Die „Dresche“ nach dem ersten politischen Kommentar

Die „Dresche“ nach dem ersten politischen Kommentar

Es ist Januar 1990. Die Mauer ist vor wenigen Wochen gefallen, weil die Menschen dort auf die Straße gegangen sind. Deutschland ist in einer ganz besonderen Stimmung. Es liegt einiges in der Luft – und im Mai stehen in Niedersachsen Landtagswahlen an. Also erlebe ich, wie die Politiker versuchen, aus den Entwicklungen in der DDR Kapital zu schlagen. In dieser Phase besuche ich zwei Parteiveranstaltungen – eine der SPD und eine der FDP. Was beide gemeinsam haben? Die Redner stellen sich hin und betonen die Bedeutung der Ostpolitik ihrer Parteien, die – so bringen sie zum Ausdruck – „einen wichtigen Anteil am Zusammenbruch der DDR gehabt haben“. Ich kriege mich kaum mehr ein – anscheinend versucht im Moment wirklich jeder davon profitieren zu wollen, dass die Menschen in der DDR ihre Regierung gestürzt haben.

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Das Transrapid-Unglück

Das Transrapid-Unglück

Es ist ein Freitag im September 2006. Ich habe einen Tag frei und meine Eltern ziehen um. Während ich einen Kleiderschrank zusammenschraube, klingelt das Telefon. Meine Sekretärin– ich bin damals Redaktionsleiter Emsland der Neuen Osnabrücker Zeitung – ruft an. „Holger, beim Transrapid hat es einen schweren Unfall gegeben. Das, was wir wissen, hört sich nicht gut an. Es hat wohl Tote gegeben.“ Kurze Pause. „Alles klar. Ich bin in einer guten halben Stunde in der Redaktion.“ Mir ist bewusst, dass das für die Redaktion ein „Großkampftag“, so wie sonst nur an Wahlabenden, wird. Auf dem Weg in die Redaktion die ersten Überlegungen: Wie organisieren wir die Berichterstattung? An was müssen wir denken? Wer kann noch mithelfen?

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Der Pfarrer und die Krankenhaus-Lüge

Der Pfarrer und die Krankenhaus-Lüge

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Es ist Januar 2012. In Papenburg geht das Gerücht um, dass das Marienhospital die Frühgeborenen-Station dicht machen will. Die Klinik hatte im Jahr zuvor geraden den Konkurs abwenden können durch die (Teil)-Übernahme und Aufnahme in den Verbund unter Führung des katholischen Krankenhauses in Lingen. Gesellschafter sind seit wenigen Wochen die St. Bonifatius Hospitalgesellschaft Lingen e.V. und die Stiftung Marienhospital Papenburg-Aschendorf. So, wie es sich für eine Redaktion gehört, werden die Gerüchte aufgegriffen – und werden indirekt bestätigt. Die Empörung ist groß, Teile der Papenburger Politik rufen zum Protest auf – und über 500 Papenburgerinnen und Papenburger stehen an einem Sonntagvormittag protestierend am Hauptkanal. Die Stimmung ist aufgeheizt, der heftige Gegenwind scheint die Klinikverantwortlichen zu überraschen. Es dauert einige Tage – und es tut sich etwas. Wir als Redaktion der Ems-Zeitung sind bei dem Thema immer „up to date“ – und unsere Leserinnen und Leser damit auch.

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Die gescheiterte Fusion

Die gescheiterte Fusion

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Die vier wilden Jahre im Osten von 1990 bis 1994 haben nicht nur journalistisch, sondern auch hinsichtlich „Wie tickt die Medienwirtschaft?“ bis heute Spuren hinterlassen. Ein der vielen Erfahrungen ist die gescheiterte Fusion im Frühjahr 1994. Dabei sieht es damals zu 100 Prozent so aus, dass alle Wetten, die ich in abgeschlossen habe, verloren gehen. Die erste Zeitung des neuen Verlages ist erschienen, doch das war es dann doch noch nicht.

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Der Mord und das offene Fenster

Der Mord und das offene Fenster

Schwere Verkehrsunfälle oder Gewaltverbrechen – sie gehören zum Berufsalltag eines Journalisten dazu. Einige „Spezialisten“ – meist aus dem Boulevard – haben sogar Freude an diesen Ereignissen. Die meisten Kolleginnen und Kollegen aus dem Lokalen hingegen sind froh, wenn der Kelch der Berichterstattung vor Ort an ihnen vorbei geht.

Es ist ein lauschiger Sommerabend in der Lokalredaktion. Die Zeitung für morgen ist fast fertig. Dann klingelt das Telefon. Ein Bürger ruft an: „Hier in der Nachbarschaft wimmelt es von Polizei. Da hat es wohl einen Mord gegeben.“ Klar ist, dass wir als lokale Zeitung in einem solchen Moment vor Ort sein sollten.

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Die Freude beim Gang zum Briefkasten

Die Freude beim Gang zum Briefkasten

Mitte der 1990er Jahre ist in Leer immer von einem Filetgrundstück auf der Nesse die Rede. Das Problem: Die etwa vier Hektar große Fläche wird von der Firma Connemann nicht mehr als Fabrik für Spanplatten genutzt und „gammelt“ vor sich hin. Die Stimmung in der Stadt zu dem Thema ist „gereizt“, weil fast niemand versteht, wieso die Familie Connemann für ein Grundstück, das sie nicht mehr nutzt, von der Stadt eine Millionensumme haben möchte, um es für eine neue Nutzung freizugeben. Nichts genaues weiß man. Hintergrund soll ein Erbbaurechtsvertrag sein, der Connemann für vergleichsweise kleines Geld noch viele Jahre die Nutzung des Geländes zugesteht. Darüber öffentlich reden dürfen weder der Stadtdirektor noch der Bürgermeister und die Firma Connemann hält sich verständlicherweise bedeckt.. Die Lage ist schwierig, zumal die Stadt Leer auch finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Die Emotionen zu dem Thema nehmen zu…

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Der „berittene“ Geldbote

Der „berittene“ Geldbote

Es sind die wilden Jahre direkt nach der Wende. Viele Verleger aus dem Westen haben sich aufgemacht, im Osten neue Zeitungen zu gründen – vor allem mit lokalen Inhalten. Das, was in der alten Bundesrepublik landauf landab gut funktioniert, sollte auch in der ehemaligen DDR wirtschaftlich erfolgreich sein können. Zumal die zentralisierte DDR-Presse nicht den besten Ruf genießt.

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