Was interessiert es den Mond…

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Mobbing ist ein Thema, das die meisten in ihrem Leben – in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit – schon mal erlebt haben. Die „fiesen“  Sprüche, die ungerechten Behandlungen, das Ausgrenzen oder alle anderen Formen hinterlassen meist tiefe Spuren. Lange Zeit kann der betroffene Mensch das wegstecken, doch irgendwann…

Als ich Jugendlicher war, war es keine Seltenheit, dass ich als „fettes Schwein“ etc. beschimpft wurde. Ich war halt das Gegenteil von einem durchtrainierten Sportler – und so sehr ich mich bemühte, das Talent beim Fußball reichte auch nicht wirklich aus. Auch haben die lieben Mitschüler mir zum Beispiel die Schuhe ausgezogen und diese auf dem Fenster im vierten Stock in den benachbarten Garten geworfen – und manch Lehrer schaute zu oder – noch schlimmer – ergänzte mit Kommentaren, die für mich schon damals eines „Pädagogen“ unwürdig waren. Die ständigen Bemerkungen führten immer mehr dazu, dass ich anfing, an mir zu zweifeln.

Meine Rettung war dann eine Begegnung mit einem Pater, dem ich in einem Klosterinternat während einer kirchlichen „Auszeit“ begegnete. Er merkte, dass es mir nicht so gut ging und wir führten ein sehr langes Gespräch. Dabei machte er mir klar, dass es im menschlichen Miteinander nichts ungewöhnliches ist, dass Menschen froh sind, wenn ein anderer die Rolle des „Prügelknaben“ abbekommt. In gewisser Weise habe jeder Mensch einen „Prügelknaben“ – bewusst und noch viel öfter unbewusst. Und er stellte mir die Frage, wie ich denn sonst so „drauf“ sei. Er machte mir klar, dass die „Leibesfülle“ meine größte Schwäche sei und diese natürlich liebend gerne durch die Mitschüler genutzt werde. Und solange ich mir auch immer anmerken lassen würde, dass mich das belastet, hätte ich verloren.

Er machte mir Mut. Jeder habe seine „Schwachstelle“, wenn zu viele Kilos überhaupt eine Schwachstelle seien, meinte er. Und er machte mir deutlich, dass ich von meinen Erfahrungen, die ich machen würde, in meinem Leben noch oft profitieren würde. Schließlich wüsste ich, wie es ist, wenn einen jemand – vorsätzlich oder unbedacht – emotional fertig macht. Diese Sensibilität würde mich in vielen Lebenssituationen davor bewahren können, selbst unachtsam mit anderen umzugehen.

Ok, dachte ich, aber das hilft mir nichts, wenn ich wieder so nett behandelt werde. Und dann gab er mir einen Satz mit auf den Weg, den ich nicht vergessen habe. „Merke Dir: Was interessiert es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt?“ Manches Mal sei es einfach notwendig, mit der Arroganz eines Mondes die bellenden Hunde links liegen zu lassen. Er empfahl mir, mir nicht mehr anmerken zu lassen, wenn mich am Verhalten der anderen etwas getroffen oder belastet. Nicht so einfach. Aber mit dem Gedanken an den Mond und den Hund wurde es immer einfacher. Und es funktionierte. Das Bellen wurde immer weniger. Denn es ist eben wie bei einem Hund: Wenn auf das Bellen niemand reagiert, macht es keinen Spaß.

Gleichzeitig gab der Pater mir den Rat, mir immer bewusst zu sein, welche Menschen in meinem Leben für mich wirklich wichtig sind. Wenn von denen einer „bellt“, dann sei höchste Aufmerksamkeit gefragt. Und ebenso sei es für jeden Menschen Tag für Tag wichtig aufzupassen, nicht selbst zum „Bello“ zu werden.

Den Bibelspruch, den er mir zum Abschluss mitgegeben hat, habe ich vergessen. Den Spruch mit dem Mond und dem Hund bis heute nicht. Danke, Pater Gregor!


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