Aufgeschnappt – 3. April 2022

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Vom Juristen-Risiko

 Bis auf die Fraktion der Grünen (mit Ausnahme von Ferhat Özdemir) und der Linken-Ratherrin Ursula Stevens-Kimpel hat der Stadtrat Leer mit großer Mehrheit der Aufrechterhaltung der Kündigung über die Kinderbetreuung an den Kreis Leer diese Woche zugestimmt. Parallel dazu wird es die Klage der Stadt gegen den Kreis wegen der erhöhten Kreisumlage geben. Inhaltlich sieht sich Bürgermeister Claus-Peter Horst auf der sicheren Seite. Dennoch ist, wie es sich gehört, in einer internen Sitzung auch das Prozess-Risiko benannt worden. Es soll sich auf etwa eine Million Euro belaufen. Bei Einsparungen von mehreren Millionen Euro, die bei einem Erfolg der Klage warten, ist das betriebswirtschaftlich vertretbar. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt gute externe Rechtsexperten gefunden und an ihrer Seite hat. Denn hausintern ist die Juristenstelle derzeit nicht besetzt, wie die aktuelle Stellenausschreibung der Stadt sagt. Man darf gespannt sein. Denn es bleibt spannend, ob nach den harten Bandagen, die mit der Klage herausgeholt werden, Landrat Matthias Groote nicht doch noch einmal das Gespräch sucht. An den Schlagzeilen, die mit einem Prozess verbunden wären, dürfte der Kreis kein Interesse haben. Wetten, dass da doch noch ein Kompromiss gefunden wird?

Von der Sozialkontrolle

Dann wollen wir mal das Beste hoffen. Die Stadt Leer hat entschieden, die Schließfächer für Fahrradfahrer, die an der Servicestation am Ostersteg geschaffen und fast umgehend durch Idioten zerstört wurden, an neuer Stelle wieder aufzubauen. Sie sollen jetzt bei dem Fahrradständer bei Leffers aufgestellt werden. Dort – so sagt die Stadtverwaltung – sei die „Sozialkontrolle“ besser. Abwarten, ob die Fächer dort länger funktionsfähig bleiben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und man muss es ja auch so deutlich sagen: Wenn einer bei Vandalismus „geschnappt“ wird, dann hat er ja so gut wie nichts zu befürchten. An Zerstörung und Beschmieren mit irgendwelchen Schriftzügen von Dingen, die im öffentlichen Raum geschaffen werden, muss man sich ja wohl gewöhnen. Ich nicht!

Von neuen Akzenten

Viel gemeckert und kritisiert wurde in den vergangenen Monaten an der CDU im Stadtrat Leer. Sorgt ja auch für Gesprächsstoff und wird gerne gelesen. Doch: Es gehört auch dazu, zu berichten, wenn sich positive Entwicklungen einstellen. Noch nie hat die Fraktion – so wie seit der Übernahme des Fraktionsvorsitzes von Ulf-Fabian Heinrichsdorff – eine so intensive Öffentlichkeitsarbeit gemacht. In den sozialen Medien informieren die Christdemokraten beispielsweise als erstes und vor anderen tagesaktuellen Medien, dass der neue Stadtbaurat Rainer Kleymann-Klei vom Rat gewählt wurde und bereits im Juni seinen Job im Rathaus antritt. Bei Facebook werden zudem Standpunkte und Aktivitäten der Fraktion aktiv kommuniziert. Lobenswert und weiter so!

Vom Gehaltsverzicht

Im Sonntagsthema geht es diese Woche um die Entwicklung der IT-Branche in der Stadt Leer und den neuen DigitalHub Ostfriesland auf dem ehemaligen EWE-Gelände. Zu dem Thema passt eine Nachricht, die von der Firma Orgadata bekannt gegeben wurde. Bei dem Leeraner Unternehmen haben Mitarbeitende im März auf einen in der Höhe frei wählbaren Teil ihres Gehaltes verzichtet – und das Unternehmen hat dieselbe Summe noch einmal oben drauf gepackt. Somit wurden von Firmenchef Bernd Hillbrands 32.300 Euro als Ukraine-Hilfe an den Caritas-Verband für die Diözese Osnabrück übergeben. Das Geld geht an die Partnerregion Ermland-Masuren, wo täglich viele Flüchtlinge ankommen. Eine clevere Aktion, weil die von den Mitarbeitern gegebene Spendensumme in voller Höhe als Hilfe bereit steht, die Mitarbeiter aber „nur“ etwas mehr als die Hälfte geben, da keine Sozialabgaben und Steuern anfallen. Eine Aktion, die gerne Nachahmer finden darf.

Von der Verzögerung

Keine Reaktionen gab es auf die Frage, wie oft es an der ampeligsten Ampelkreuzung ohne funktionierende Ampel in den vergangenen vier Monaten gekracht hat. Offenbar scheint der neue Bummert auch ganz gut ohne die neue Lichtanlage zu funktionieren. Na ja, das ist ja auch beruhigend, denn der Inbetriebnahme-Termin ist ein weiteres Mal bis auf unbestimmte Zeit verschoben. Dieses Mal der Grund: nicht Lieferschwierigkeiten, sondern fehlendes Personal aufgrund von Corona. Ganz ehrlich: Dazu fällt einem nichts mehr ein. Normalerweise sollte diese Firma keinen Cent für so einen schlechten Job erhalten. Denn jeder Tag ohne funktionierende Ampel ist ja ein Tag mit „Lebensgefahr“. Schließlicht ist es ja ein gefährlicher Unfallschwerpunkt…

 Digital-Tipp: Der Leeraner Hafen auf Postkarten

Sie waren über 100 Jahre das Instrument, um einen lieben Gruß aus der (Urlaubs)Stadt an Familie, Freunde und Bekannte zu senden: die Postkarten. Auch von Leer gibt es viele Motive über die Jahrzehnte hinweg. Diese dokumentieren, wie sich die Ledastadt entwickelt hat. Das meistabgebildete Motiv auf Leeraner Postkarten dürfte mit Sicherheit das Rathaus mit der Waage davor sein. Beide historischen Gebäude sind auch in einer Sammlung zu sehe, die das Schipperklottje Leer auf seiner Internetseite zum Hafen zusammengestellt hat. Klicken Sie sich rein und tauchen kurz ein in die Leeraner Hafengeschichte:

https://schipperklottje.de/der-hafen-in-alten-postkarten/

Und wenn Sie alte Postkarten von Leer haben, machen Sie gerne ein Foto davon und senden es an hh@hartwig-am-sonntag.de. Ich bin gespannt auf Ihre Motive und schaue, wie diese dann auf Hartwig am Sonntag präsentiert werden könnten.

Schönen Sonntag hoffentlich ohne Schnee wünscht aus Berlin vom Inliner-Halbmarathon … HH

Holger HartwigAufgeschnappt – 3. April 2022