Leer: Bis 2024 ein El Dorado für Fahrradfahrer?

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LEER Radfahren bekommt in der Stadt Leer einen immer größeren Stellenwert. Aktuell sind bis zu 2000 Aktive beim Wettbewerb „Stadtradeln“ dabei und zahlreiche Baumaßnahmen – markant ist der rote Fahrradstreifen im Ostersteg“ – werden umgesetzt. Bis 2024 sind weitere Verbesserungen des Fahrradverkehrs in der Kreisstadt geplant. Was vorgesehen ist, hat Bürgermeisterin Beatrix Kuhl zusammengestellt. Bei allen Neuerungen und Modernisierungen komme es nach ihrer Ansicht darauf an, dass „eine Abstimmung und Konsensfindung mit den Bürgerinnen und Bürgern und den unterschiedlichen Bedürfnissen bzgl. des Verkehrsmix aus Rad, Auto und Busverkehr erfolgt“.

Mit den Investitionen, die unter der Überschrift „Vorfahrt für das Rad“ stehen könnten, liegt die Stadt voll im Trend. Die Fahrradbranche meldet deutschlandweit seit Jahren steigende Absatzzahlen – und das ist auch im Kreis Leer nicht anders. So sagt Andreas Oltmanns, Geschäftsführer der Bike-Arena Oltmanns, eines der größten und zu den traditionsreichen Fachgeschäften in der Region. „Der Boom, der durch Corona noch einmal verstärkt wurde, hält an. Vor allem Elektrofahrräder, dabei dann besonders E-Mountainbikes, und Lastenräder sind sehr gefragt.“ Die Kunden setzen auf Qualität und seien bereit, für neue E-Bikes im Durchschnitt zwischen 3.000 und 3.100 Euro auszugeben. Auffällig dabei: Die E-Bikes würden mittlerweile von allen Generationen gekauft und seien keineswegs ein Thema der älteren Generation. Oltmanns sieht Leer „auf einem guten Weg, wenn es um gute Voraussetzungen für sicheres Fahrradfahren geht“.

Wie dieser gute Weg im Detail aussieht? Nachfolgend die Antworten aus dem Rathaus zu aktuellen Investitionen und den Planungen für die kommenden Jahre rund um das Thema Fahrradfahren:

Was sind aktuelle Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs in Leer (Wege, Abstellplätze, E-Ladestationen)? Wie hoch sind die Investitionen für die Projekte?

Innerhalb des Projekts „FaCit  – Mit dem Fahrrad in der City“, das mit Gesamtkosten von etwa 4,8 Millionen Euro veranschlagt ist, werden mehrere Teilmaßnahmen umgesetzt:

  • Umbau Ostersteg, Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße mit zwei Meter breitem Radfahrstreifen in Richtung Bahnhof und Erneuerung des vorhandenen Radwegs gegen die Einbahnrichtung. Radfahrfreundlicher Umbau aller Knotenpunkte, insbesondere zur Ledastraße und Jahnstraße um Konfliktpunkte mit dem Kfz-Verkehr zu entschärfen. Bessere Trennung des Radverkehrs vom Fußgängerverkehr, gleichzeitig barrierefreier Ausbau aller Fußgängerquerungen und Zebrastreifen. Ostersteg bis Ledastraße ist fertig, Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße ist in Arbeit.
  • Erneuerung des Radfahrstreifens in der Jahnstraße in Richtung Friesenstraße (fast fertig). 
  • Umbau Friesenstraße mit zwei Meter breitem Radfahrstreifen in Richtung Bummert (Foto oben vom Neubau der Kreuzung mit 14 Ampel) und Erneuerung des vorhandenen Radwegs gegen die Einbahnrichtung. Radfahrfreundlicher Umbau aller Knotenpunkte, insbesondere zur Bergmannstraße, zur Augustenstraße und zur Jahnstraße um Konfliktpunkte mit dem Kfz-Verkehr zu entschärfen. Bessere Trennung des Radverkehrs vom Fußgängerverkehr, gleichzeitig barrierefreier Ausbau aller Fußgängerquerungen und Zebrastreifen. Baubeginn noch in 2021.
  • Umbau des Knotenpunkts Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße/Friesenstraße mit Wegnahme der Dreiecksinsel und Anlage von umlaufenden Zebrastreifen. Bequemes und attraktives Abbiegen für Radfahrer in alle Richtungen über breite Furten. Baubeginn vermutlich Anfang 2022.
  • Umbau Bahnhofsring zwischen Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße und Mühlenstraße mit breiten Radwegen in beide Richtungen.
  • Umbau Knotenpunkt Bahnhofsring/Mühlenstraße: Verbesserte Signalisierung für Radfahrer, Einrichtung von eindeutigen Aufstellflächen, Markierung von Radfahrfurten im Knoten. Umsetzung Anfang 2023.
  • Auf dem „P4“ Parkplatz am Ostersteg wird ein Servicepunkt für Fahrräder mit überdachten Bügeln, einer Reparatursäule, Schließfächern, Fahrradboxen, Abstellmöglichkeiten für Lastenrädern und einer Infotafel errichtet. Umsetzung noch in 2021 vorgesehen.
  • Am Bahnhof wird eine große zweistöckige Fahrradstation mit ca. 400 überwachten Stellplätzen sowie Serviceangeboten wie Fahrradverleih, Reparaturservice und Lademöglichkeit entstehen.
  • In der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße, in der Friesenstraße und am Bahnhofsring werden Fahrradzählstellen eingerichtet. Die Daten sind für alle über eine App abrufbar.
  • Entlang aller ausgebauten Streckenabschnitte werden weitere zusätzliche Fahrradabstellbügel errichtet. 
  • Im Rahmen des Projektes FaCit wurde bereits eine überdachte und beleuchtete Fahrradabstellanlage mit 32 Einstellplätzen im Bahnhofsring neben Fa. Leffers fertig gestellt.

Welche Maßnahmen wurden in den vergangenen fünf Jahren umgesetzt?

Der Verkehrsknoten „Bummert” wird aktuell fahrradgerecht ausgebaut. Es wird dann aus allen und in alle Richtungen ausreichend breite Fahrradwege geben und insbesondere das Linksabbiegen wird dann an diesem dann neu signalgeregelten Knoten problemlos möglich sein. Fußgänger und Radfahrer werden wirksam getrennt. Fertigstellung Ende November.

Bereits umgesetzt wurden:

  • Einrichtung einer Fahrradstraße im Süderhammrich zwischen Pferdemarkststraße und Breslauer Straße (keine nennenswerten Kosten)
  • Radfahrgerechter Umbau der Nessestraße im Bereich der Dr.-vom-Bruch-Brücke zur durchgängigen Befahrbarkeit (Kosten wie auch im Folgenden nicht bekannt bzw. nicht aus Gesamtmaßnahme herausrechenbar)
  • Verbreiterung des vorhandenen Radfahrschutzstreifens in der Nessestraße
  • Fahrradschutzstreifen Am Dock und Fahrradstraße Am Hafenkopf im Rahmen des Umbaus des Quertiers
  • Einrichtung einer Schutzinsel in der Sägemühlenstraße auf Höhe des Reimertunnels
  • Abbau von Pollern und Umlaufsperren („Drängelgittern”) an mehreren Stellen in der Stadt, an denen diese nicht aus Verkehrssicherungsgründen erforderlich sind.
  • Fahrradstraße in der Kleinen Allee eingerichtet
  • Freigabe der Nessebrücke für Radverkehr
  • Ausbau Karkpad für Radverkehr
  • Umbau Logaer Weg in bisher drei Abschnitten mit Anlage von Radfahrschutzstreifen
  • Mehrere verkehrsbehördliche Maßnahmen: Öffnung von Sackgassen für Radfahrer, Freigabe von Gehwegen für Radfahrer (z. B. Am Bingumer Deich ab Marinastraße in Richtung Bingum)
  • Bei der zuletzt abgeschlossenen Umgestaltung der Fußgängerzone zwischen Wörde und Ledastraße wurden ausreichend, komfortable Radabstellanlagen berücksichtigt.

Welche weiteren Maßnahmen sind in Leer für die kommenden Jahre bereits geplant, genehmigt bzw. in der konkreten Vorbereitung?

Bis Ende 2024 sind weitere zahlreiche Maßnahmen vorgesehen. Nachfolgend eine Übersicht:

  • Neubau der barrierefreien Stadtringbrücke (Querung der B 436) für Radfahrer und Fußgänger im Zuge Hajo-Unkenstraße und Süderweg. Finanzierung des Baus durch den Bund, Planfeststellungsverfahren in Vorbereitung.
  • radverkehrsgerechter Ausbau der Radialroute Nord vom Bahnhof über Große Roßbergstraße, Bahndamm, Moorweg, Parallelweg, Jägerkamp, Eisinghausener Straße und Mooräcker bis zur Stadtgrenze als Teil der regionalen Radverbindung Emden-Leer-Papenburg. Insbesondere Einrichtung von mehreren Fahrradstraßen (Gr. Roßbergstraße, Bahndamm, Parallelweg), Sicherung von Querungsstellen mit breiten Aufstellflächen, Ausbau der betroffenen Straße (insb. Bahndamm); Förderantrag wird in den kommenden Wochen gestellt, Umsetzung bis Anfang 2025
  • radverkehrsgerechter Ausbau der Radialroute Nordost, die in weiten Bereichen dem Ostfrieslandwanderweg entspricht. vom Bahnübergang Bremer Straße über Kleine Roßbergstraße, Fabriciusstraße, Parkstraße, Logaer Weg, Ostfrieslandwanderweg, Verbindungsweg, Auf den Truben, Ostfrieslandwanderweg, Fettpottsweg, An der Kleinbahn, Weizenweg, Ostfrieslandwanderweg bis B426. Auch hier Einrichtung von mehreren Fahrradstraßen (Alle Abschnitte außer Logaer Weg, Ostfrieslandwanderweg und Weizenweg), Sicherung von Querungsstellen mit breiten Aufstellflächen, Ausbau des Ostfrieslandwanderwegs auf den betroffenen Abschnitten bei größtmöglichem Baumerhalt in wurzelschonender Bauweise; Förderantrag wird (zusammen mit Nordroute) in den kommenden Wochen gestellt, Umsetzung bis Ende 2024
  • Neubau Ledabrücke und B70 ab Südring (einschließlich Knoten) bis Spriekenborger Straße, Ausbau der Radverkehrsanlagen (Planung und Umsetzung durch den Bund). 
  • Umbau Logaer Weg zwischen Eichendorffstraße und Horstweg unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs.
  • Umbau der Weststadt westlich der Hajo-Unken-Straße im Rahmen der Sanierungsmaßnahme Soziale Stadt. Besondere Berücksichtigung des Radverkehrs.
  • Endausbau Am Emsdeich unter Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs
  • Umbau Augustenstraße unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs
  • Umbau Blinke unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs
  • Umbau Ubbo-Emmius-Straße unter besonderer Berücksichtigung des Radverkehrs
Holger HartwigLeer: Bis 2024 ein El Dorado für Fahrradfahrer?