Aufgeschnappt – 14. März 2021

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Vom Unfallschwerpunkt

Endlich – das werden die Leeraner sagen. Endlich ist dieses Thema bald vorbei. Nicht mehr lange, dann werden am Bummert Ampeln den Verkehr regeln. Der Unfallschwerpunkt soll dann nach jahrelangem Hin und Her kein Unfallschwerpunkt mehr sein. Jedenfalls hoffen das die Experten. Für manchen Leeraner bleiben Fragen: Was ist denn eigentlich ein Unfallschwerpunkt? Ein Punkt, an dem viele Unfälle passieren? Ganz bestimmt. Aber ist ein Punkt mit vielen Unfällen auch zurecht ein Schwerpunkt?

Wenn an einer Kreuzung jeden Tag mehrere tausend Menschen (dynamische Schüler) unterwegs sind, dann muss es dort statistisch öfter krachen, als auf einer Kreuzung „JWD“. Hat es am Bummert unbestritten auch. Aber bis auf die wenigen Experten schütteln viele Leeraner den Kopf ob dieser teuren Verkehrsregelungsinvestition (vor allem, weil das Stadtsäckel leer ist).

Die Experten werden wissen, was sie nach jahrelangem Hin und Her entschieden haben. Eines jedenfalls lässt sich sagen: Seit über 30 Jahren sorgt die Einbahnstraßen-Regelung in der Leeraner Innentadt dafür, dass der Verkehr läuft, gut läuft. Und dass schwere Unfälle über die vielen Jahre insgesamt eine Seltenheit sind. Hoffentlich gelingt es, die Ampeln so einzustellen, dass der Verkehr weiter im Fluss bleibt. Und bestimmt sind die Schülerinnen und Schüler ganz artige Verkehrsteilnehmer und gehen nur bei Grün über die Kreuzung…


Vom Maskenskandal

Regen Sie sich auch über den Maskenskandal der CDU/CSU-Bundestagsabgeordneten auf? Ja? Verstehe ich gut. Ich rege mich auch auf. Darüber, wie dämlich die Volksvertreter sind, die nun „aufgeflogen“ sind. Sie hätten die Deals auch einfädeln und mitkassieren können, ohne ihren Namen ins Spiel zu bringen. „Profis“, die das so machen, gibt es in der großen Politik (und nicht nur da) sehr viele. Der eine „Aufgeflogene“ hat ja sogar eine Projektmanagementfirma. Hätte er doch bloß einen Mitarbeiter der Firma die Mails schreiben lassen… Sei´s drum. Gier frisst bekanntlich Hirn!

Es ist und bleibt eine Sauerei. Wenn nun die CDU/CSU-Politiker Schadenbegrenzung durch öffentliche Erklärungen betreiben wollen, ist das ein netter Versuch. Das Generalmisstrauen bleibt, wird sich bei den Wahlen widerspiegeln. Aber: Sippenhaft ist in Deutschland verboten. Deshalb: Genau hinschauen, wer wo für was wie Politik macht. Das haben die anständigen Volksvertreter verdient.

Die Lösung für den gesamten Schlamassel? Es müssen klare gesetzliche Regelungen her. Berufspolitiker sollten keine Firmen – in welcher Form auch – immer führen, beraten oder beaufsichtigen dürfen. Dazu die totale Transparenz über das Lobbytum sonstige „Verquickungen“. Politiker sollten einfach mit eindeutigen Festlegungen ihren Beruf ausüben. Aber dafür müsste auch Vater Staat eine bessere Bezahlung „springen“ lassen, sonst geht keiner, der qualifiziert ist, in die Politik. Sei es für die normalen Abgeordneten oder für die Minister oder die Kanzlerin. Denn die steht zwar an der Spitze des „Unternehmens Bundesrepublik“ und soll den Laden am Laufen halten, verdient aber „nur“ etwa 40.000 Euro im Monat. 40.000 Euro hört sich für einen Arbeitnehmer viel an – aber das verdient heute fast schon jeder Chef einer mittelgroßen Sparkasse in Deutschland. Und der Konzernchef eines DAX-Unternehmens bekommt das pro Tag.

Deutschland braucht unabhängige, gute und mutige Politiker. Und die müssen besser bezahlt werden. Im Wirtschaftsleben gilt salopp ausgedrückt: „Zahlste scheiße, kriegste scheiße“. Denn nur wer sich gut bezahlt fühlt, der macht einen guten Job und kommt auch nicht auf dumme Gedanken. Warum sollte das bei Politikern anders sein?

Vom Einkaufen

Morgen schon was vor? Vielleicht mal wieder schön Einkaufen gehen in der Leeraner Fußgängerzone? Schöner Gedanke. Geht aber nicht. Fahren Sie lieber nach Papenburg ins Emsland. Dort werden Sie im Gegensatz zu Leer nämlich nicht vor verschlossenen Türen stehen. In Papenburg haben die Läden geöffnet, in Leer nicht mehr. Der Hintergrund ist die Pandemiebekämpfung. Hohe Ansteckungszahlen gleich Türen zu. Unbestritten sinnvoll, aber auch logisch? Denn während in Papenburg der Inzidenzenwert (Hab ich das jetzt richtig geschrieben? Ich kannte das Wort bis vor wenigen Monaten nicht) – bei über 200 liegt, liegt er im Kreis Leer bei über 100. Komisch, dann müssten doch wohl eher in Papenburg die Geschäfte zu sein? Nö, denn im große Emsland sind nur die Werte in Papenburg und umzu so hoch. Und da die kreisweiten Werte für die Wahl der Maßnahmen maßgebend sind… Lassen wir das. Verstehen kann wohl jeder den Ärger der Kaufleute, deren Geschäfte „zugesperrt“ werden. Was ist die Lösung? Einkaufen in der Nachbarstadt jedenfalls nicht. Wer also nicht unbedingt etwas dringend und lebensnotwendiges kaufen muss, der bleibt am besten zuhause – aber bitte das Geld dann nicht online ausgeben. Denn die Kaufleute vor Ort brauchen jeden Cent Umsatz – egal wann… Der Tag des unbeschwerten Einkaufen wird kommen. Und dann nichts wie rein in die Geschäfte vor Ort…

Vom Rathausneubau

In Papenburg wird investiert. Das Rathaus wird erweitert. Die Stadt will ein funktionales und bürgerfreundliches Verwaltungsgebäude mit voraussichtlich 62 Büroarbeitsplätzen bauen. Der Neubau soll an der Stelle des früheren Feuerwehrhauses entstehen und wird planmäßig mindestens 9,5 Millionen Euro verschlingen. Die Ausschreibungen laufen derzeit. Das sorgt in der Kanalstadt vor allem in Wirtschaftskreisen weiterhin für Diskussionen. Einige der gestellten Fragen lauten: Benötigt die Stadt bei zunehmender Digitalisierung wirklich noch einen Neubau? Warum wird nicht der Sparkassen-Turm, der seit Jahren nicht vollständig genutzt wird, gemietet oder gekauft? Weil die Miete im Vergleich zu hoch ist?

Fest steht: Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie sich das Arbeiten wandelt. Home-Office lässt grüßen. Und das ist erst der Anfang einer Entwicklung, die auch an der Stadtverwaltung nicht vorbeiziehen wird. Langfristig dürften weniger Büros notwendig sein. Und in Zeiten von wegbrechenden Steuereinnahmen sollte neu gedacht werden, ob es wirklich erforderlich ist, für die nächsten 50 Jahre in Steine zu investieren. Wäre die Stadt eine Firma, würde sie das Thema neu betrachten. Ist sie aber nicht. Schade.

Von Bürgermeisterwahlen

Langweilig wird’s bis zu der Kommunalwahl im September wohl nicht mehr. Während in Papenburg der Kandidat Sascha Kleinhaus – vor wenigen Wochen hat er noch alle Mitarbeiter der Stadt in einem persönlichen Brief über seine Ambitionen informiert – seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt überraschend zurückgezogen hat, wird in Leer weiter heftig bei der CDU hinter und vor den Kulissen gehauen und gestochen. Ganz ehrlich: Man kann einfach nur noch den Kopf schütteln.

Früher war schon die Kandidatur für das Bürgermeisteramt eine Ehre. Jeder, der sich bewarb, wusste, welche Verantwortung er mit seiner Entscheidung auf sich nimmt. Und die Parteien waren sich bewusst, wie wichtig es ist, mit Blick auf das höchste Amt der Kommune fair, klar und nachvollziehbar zu agieren. Alles Vergangenheit. Das Bürgermeisteramt bzw. die Kandidatur ist genauso – mal bei der einen Partei in der Kommune, dann bei der anderen in jener – ein Schlachtfeld der Macht, der Eitelkeiten und vielem mehr geworden, wie soviel anderes leider auch in der Kommunalpolitik. Aktuell ist halt mal die CDU in der Stadt Leer an der Reihe mit dem Stress bei der Kandidatennominierung. Es scheint für die CDU wohl eine Überforderung zu sein, nach jahrzehntelangen Jahren des Wartens das höchste Amt ohne Beschädigung stellen zu dürfen. Wenns dumm läuft, sind nicht nur die zwei CDU-nahen Bewerber beschädigt, sondern auch gleich der gesamte Parteivorstand. Mal sehen, was die Wähler im September zu dem Hickhack sagen werden. Denn die entscheiden – und keine Parteivorstände oder Parteiversammlungen oder Stimmungsbarometer. Und das ist auch gut so.


Vom Fußgängerzonenbaum

Schön modern wird sie ja, die Leeraner Fußgängerzone. Was davon zu halten ist, darüber habe ich vor einigen Wochen geschrieben (hier klicken). Nun werden auch die schönen neuen Bäume „aufgestellt“. Und dabei zeigt sich dann wieder einmal, wie groß der Unterschied zwischen Theorie (auf der Karte) und Praxis (vor Ort) ist. Da gibt es ein Restaurant, das im letzten Sommer seine Gäste gut und auch gerne auf einer Außenfläche vor seiner Tür bewirtet hat. Und nun? Bald seht vor dem „Mangal“ ein schöner großer neuer Baum. Wird die Besitzer bestimmt hoch erfreuen.

Kleiner Tipp an die Stadtverwaltung: Jeder Plan sollte einmal vor Ort „abgegangen“ werden. Dann passiert das nicht so schnell wieder. Kann nicht schaden… zumindest für die nächsten Bauabschnitte.


Von IHK-Digitalexperten…

Montag ist es wohl heiß hergegangen bei der Vollversammlung der IHK für Ostfriesland und Papenburg bei dieser Personalentscheidung. Seit Freitag steht fest, dass Martin-Max W. Deinhard ab 2022 der neue Hauptgeschäftsführer sein wird. Er erhielt in der geheimen Abstimmung als einziger Kandidat 70 Prozent Zustimmung. Das ist – so heißt es aus Kennerkreisen – das schlechteste Ergebnis einer „Zustimmungs-Abstimmung“ für einen Hauptgeschäftsführer. Was das nun bedeutet, wird sich zeigen. Auf jeden Fall wird Herr Deinhard die Expertise bei der Kammer für den Bereich Digitalisierung professionalisieren dürfen. Denn bei der Vollversammlung – Ministerpräsident Weil wurde übrigens wegen zeitlicher Verzögerungen, salopp gesagt, freundlich „ausgeladen“ – mussten in der Phase hitziger Diskussionen einzelne Teilnehmer ihre Videokamera ausschalten. Kammerpräsident Bernhard Brons bat darum. Die Vollversammlung hat – ohne Gäste und ohne IHK-Mitarbeiter – 50 gewählte Teilnehmer und man wollte sich digital in die Augen sehen. Nur blöd, dass das Konferenz-Programm, das im Einsatz war, auf 25 Video-Lizenzen begrenzt war…


Digitaltipp zum Sonntag: Webcams in Ostfriesland

Heute Lust auf eine kleine Reise durch die Region? Zuhause vom Sofa mal eben live schauen, wie es an der Küste, im Binnenland und auf den Insel aussieht? Dann reicht ein Klick auf www.ostfriesland.travel/service/webcams. Dort sind eine Vielzahl von Webcams zu finden.

PS: Freue mich über Eure Tipps zu schönen Adressen im Netz. Gerne per Mail an hh@hartwig-am-sonntag.de

Munter holln … bis nächste Woche

HH

Kritik, Tipps, Infos an: hh@hartwig-am-sonntag.de

Kommentar zu Aufgechnappt „Fußgängerzonenbaum“ (14.03.2021)

Guten Tag Herr Hartwig, bei Mangal der Baum, direkt vor dem Restaurant und bei Biggie B eine Laterne, direkt auf dem Standplatz des zweiten Sonnenschirms. Ausweichen nach rechts und links nicht möglich. Rechts Markise vom Asiaten „China Town“ und links Fahrradständer. Konsequenz, Außenfläche für Gastronomie zu klein und Biggie B sagt „auf wiedersehen“. Gegenüber ähnliche Situation, wenn auch nicht ganz so schlimm. 2 Fahrradständer Bank 2 Fahrradständer, anstatt 4 Fahrradständer Bank. So fehlt uns Platz für unsere Bänke. Die Verantwortlichen waren jeden Dienstag vor Ort, das hätte man sehen und berücksichtigen müssen. Wir kommen morgens und stehen vor vollendeten Tatsachen.

Vanessa und Andreas Karafotias, Inhaber Eiscafé ARTE DOLCE


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    Holger HartwigAufgeschnappt – 14. März 2021