„Integration verbessern? Den Zugang zur Sprache als Schlüssel für alles erleichtern“

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„Auf einen Tee mit …“ – Heute mit Kozi Kezie, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Leer

LEER Seit vielen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich – und seit wenigen Wochen ist er Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreis Leer: Kozi Kezie. Der gebürtige Togoleser und selbstständige Metallbaumeister flüchtete vor 20 Jahren nach Deutschland flüchtete und lebt heute mit seiner Familie in Leer-Loga. In der Rubrik „Auf einen Tee mit…“ spricht Kezie über eigene Erfahrungen beim Neustart nach seiner Flucht in Deutschland, über die Herausforderungen der Integration sowie über seine Ziele mit dem Kreisverband. Weitere Themen sind seine Mitgliedschaft in der SPD, woran er sich in Ostfriesland am meisten gewöhnen musste und was er ändern würde, wenn er einen Tag lang die Verantwortung als Bundeskanzler tragen müsste.

Zur Awo bin ich gekommen, durch …

… mein Engagement in zwei afrikanischen Verein, die mit der Awo zusammengearbeitet hat. Ich habe dann später als Beisitzer erste Verantwortung übernommen und freue mich, nun seit Juni nach einstimmiger Wahl Vorsitzender des Kreisverbandes zu sein.

Awo – das steht für mich für…

… für sozialen Zusammenhalt, das füreinander Dasein über alle Generationen hinweg. Die Awo mit ihren Angeboten für Kinder bis zum Senior ist ein wichtiger Faktor im Miteinander der Menschen – und das deutschlandweit.

Vorsitzender des Kreisverbandes zu sein, bedeutet für mich…

… das Miteinander, die Zusammenarbeit der Ortsverbände Leer, Moormerland und Wymeer-Boen mit über 300 Mitgliedern stärken zu wollen. Wir müssen stärker die Erfahrungen und Erfolge der praktischen Arbeit austauschender in den einzelnen Orten austauschen. Wir können viel voneinander lernen.

Viele Menschen denken bei Awo nur an alte Leute…

… das mag sein. Das stimmt aber so nicht, denn wir haben auch viele jüngere Mitglieder. Das ist auch unser Ziel für die Zukunft: Noch mehr jüngere Menschen mit ihrer Energie zum Mitmachen animieren. Wir machen für junge Menschen viel – sei es die Begleitung und Beratung im Lebensalltag oder die Unterstützung durch Nachhilfeangebote.

Die Menschen mehr aus den eigenen vier Wänden herausholen werden wir als Awo in den kommenden Jahren, weil wir …

… unser Angebot ausweiten werden. Ich denke an mehr Veranstaltungen wie Ausflüge, Spielenachmittage und vieles mehr. Es ist unser Ziel, dass die Menschen wieder mehr zusammenkommen.

Meine wichtigste Erkenntnis als Gesundheits- und Integrationslotse ist, dass e…

… es viel mehr Bedarf an Unterstützung gibt, als man meint. Viele Menschen wissen nicht, welche Angebote für sie gemacht werden. Es muss gelingen, die Vielfalt der Unterstützungen, die wir als Awo oder auch andere Organisationen bieten, mehr bekannt zu machen.

Unsere Heimat im Haus Hermann in der Weststadt in Leer ist…

… nicht nur eine Anlaufstelle für die Menschen im Stadtteil, sondern für alle Leeranerinnen und Leeraner. Wir helfen dort in vielerlei Hinsicht.

Wenn ich an meine ersten Jahre in Deutschland nach der Flucht zurückdenke, dann …

… freue ich mich immer noch, dass ich vielfältige Unterstützung bekommen habe und ich so meinen Weg in Deutschland gehen könnte. Rückblickend wäre es gut gewesen, etwas mehr Hilfe beim Erlernen der Sprache zu bekommen und Informationen, welche offiziellen Stellen für was zuständig sind. Beides sehe ich heute bei den Flüchtlingen weiterhin als eine Herausforderung.

Für eine bessere und schnellere Integration von Flüchtlingen wäre es gut, wenn …

… der Zugang zur Sprache leichter wird. Sie ist der Schlüssel für die Tür zu allem.

Sich als Flüchtling ehrenamtlich zu engagieren, ist…

… ein guter Weg in Deutschland anzukommen. Für mich war das Ehrenamt ideal, um Kontakt zu bekommen und mich zu integrieren. Allerdings muss man auch sehen, dass nicht jeder Flüchtling Akademiker ist und man genau schauen muss, welche Aufgabe im Ehrenamt zu wem am besten passt.

Unternehmer zu sein, ist für mich …

… eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Für einen Afrikaner bzw. Menschen aus einem anderen Land ist es schwierig, sich als Unternehmer durchzusetzen. Ich bin dankbar, das es gelungen ist.

Die SPD ist für mich …

… die soziale Partei für die Arbeitnehmer, die Partei der „kleinen“ Leute. Ich fühle mich in der SPD sehr wohl.

Sie sagte kürzlich: Deutschland weiß, was mit Blick auf die Integration benötigt wird, aber trifft die falschen Entscheidungen, weil…

… die, die mit Gesetzen die Grundlagen schaffen, zu wenig wissen über die, für die sie die Gesetze machen. Es wäre wichtig, dass mehr miteinander gesprochen wird, damit Ziele eindeutiger feststehen und dann dafür Regelungen für die Umsetzung im Alltag vor Ort getroffen werden können.

Unser Jugendmigrationsdienst ist  

… nicht wegzudenken. Sie ist eine wichtige Anlaufstelle für junge Menschen, die Hilfe und Orientierung benötigen.

Der Awo-Sprachheilkindergarten ist…

… eine Stelle der Hoffnung für Kinder mit Problemen. Sie ist eine gute Einrichtungen um ein wenig Last von Familien zu nehmen.

Das neue Awo-Seniorenheim an der Blinke ist …

… ein Juwel in Leer für die Betreuung der älteren Menschen. Sie bieten für Senioren ein schönes Zuhause.

Mein Lebensmotto ist…

… nie aufzugeben und immer dazu zu lernen.

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – dazu fällt mir ein, dass …

… das stimmt. Als zugereister Ostfriese sollte ich vielleicht noch Plattdeutsch können, aber das ist weiterhin eine echte Herausforderung.

Ich habe das letzte Mal gelogen, um

… jemanden nicht zu enttäuschen.

Ich kann mich so richtig aufregen über…

… versteckte Andeutungen.

Ich kann mich so richtig freuen über, …

… Erfolge.

In Ostfriesland musste ich mich am meisten gewöhnen an…

… das Wetter. Alles andere passt gut.

Kraft tanke ich, wenn …

… ich mit meiner Familie zusammen bin.

Ich sollte mal wieder…

 Urlaub machen. Ich würde gerne mal nach ans Meer.

Wenn ich an meine Heimat denke, dann …

… habe ich natürlich etwas Heimweh. Aber ich kann sagen: Ich habe heute zwei Heimaten.

Wenn ich einen Tag lang Bundeskanzler wäre, dann würde ich als erstes….

… vier Tage-Woche einführen, damit Familien mehr Zeit auch ihre Kinder haben und im Miteinander.

Wenn ich drei Wünsche frei habe, dann wünsche ich mir …

… mehr freie Zeit mit meiner Familie, erfolgreiche Interrationsarbeit und Gesundheit.

 

Seit 2003 lebt Kozi Kezie in Deutschland, engagiert sich vom ersten Tag an im Ehrenamt und ist seit einige Wochen Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreis Leer.

Foto: Privat

 

Holger Hartwig„Integration verbessern? Den Zugang zur Sprache als Schlüssel für alles erleichtern“