„Aufgeschnappt” – 31. Januar 2021

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Oldigs-Nannen wird´s nicht

Mit wem geht die Leeraner CDU in die Bürgermeister-Wahl im September? Hoch gehandelt wird hinter den Kulissen Grietje Oldigs-Nannen. Doch diese Spekulation kann ab heute ad acta gelegt werden. „Nein, ich mache das nicht“, sagte die 44-Jährige auf Anfrage. Die Aufgabe, in Leer Bürgermeisterin zu werden, sei spannend und herausfordernd, doch „ich stehe aus familiären Gründen dafür nicht bereit“. Zudem mache ihr der Beruf als Rechtanwältin Tag für Tag viel Freude. Wer denn antreten werde? Die Juristin antwortet im „Politikerdeutsch“ und lässt nichts durchblicken. Ganz so, wie es die CDU intern besprochen hat und woran sich bisher – auch keine Selbstverständlichkeit mehr – gehalten wird.

Bleibt also weiterhin offen, wer für die CDU gegen Amtsinhaberin Beatrix Kuhl antritt. Zur Erinnerung: Sie knackte vor Jahren als CDU-Bewerberin die SPD-Hochburg völlig überraschend und besiegte den damaligen Rathauschef Wolfgang Kellner (parteilos). Spannend wird es so oder so in den nächsten Monaten. Denn Claus-Peter Horst hat sich aus der Position des Chefs der Leeraner Stadtwerke startklar gemacht hat. Vor allem diese Konstellation hat es in sich. Kuhl ist als Bürgermeisterin (eigentlich) die Chefin des „Konzerns“ Stadt Leer, zum dem die Stadtwerke als Anstalt öffentlichen Rechtes mit Horst an der Spitze gehören. Somit sollte es so sein, dass beide sich abstimmen, öffentliche Konflikte vermeiden. Es ist aber ganz offenbar so, dass Horst sich über die Jahre viele Befugnisse und ein vertraglich zugesichertes hohes Maß an Eigenständigkeit „erarbeitet“ hat. Die zwei mögen sich überhaupt nicht (mehr). Man muss nicht einmal genauer hinsehen, um festzustellen, dass bereits hinter den Kulissen heftigst „gewahlkämpft“ wird. Vielleicht ist aber genau das dann die Chance für einen CDU-Bewerber? Eine(n), der/die ganz unbelastet von außerhalb sein Glück versucht?


Niemals geht man so ganz…

Apropos Bürgermeister. Beim Blick auf die Stadt Papenburg lautet die Frage hingegen: Gibt es wieder eine Mogelpackung, die zur Wahl steht? Warum? Seit es die Eingleisigkeit mit einem hauptamtlichen Bürgermeister gibt, entwickelt sich eine „CDU-Tradition“. Erstmals 1996, dann 2006 und nun 2021 legte die führenden politische Kraft sich auf eine(n) Kandidaten/in fest, und jedes Mal trat dann auch ein stadtbekanntes CDU-Mitglied aus der Partei aus. 1996 war es Ulrich Nehe, der sich gegen die CDU-Bewerberin Uschi Mersmann (legendär ist der Satz eines damaligen Zeitungskommentars mit dem Tenor „Vom Kochtopf an die Rathausspitze, geht das?“) durchsetzte. 2006 wiederholte sich das Spiel. Dieses Mal trat für die Christdemokraten Helmut Stavermann an – und es gilt als offenes Geheimnis, dass führende (politische und wirtschaftliche) Kräfte dafür sorgten, dass Jan Peter Bechtluft – er war Justiziar der Stadt – aus der CDU austrat und sich ebenfalls durchsetze. Nun ist es Pascal Albers, der für die Wahl im September nominiert wurde. Und auch er bekommt es mit einem langjährigen CDU-Stadtfunktionär zu tun, dem Unternehmer Sascha Kleinhaus. Er war in der Bechtluft-Ära einige Jahre CDU-Fraktionsvorsitzender, bevor er sich aus der Ratspolitik zurückzog.

Warum Mogelpackung? Ganz einfach: Bei der CDU geht man – wie es schon in einem Schlager heißt – niemals so ganz. Ulrich Nehe sitzt heute wieder für die CDU im Stadtrat und übt führende Ämter aus. Er ist immerhin – im Gegensatz zu seinem direkten Nachfolger – Bechtluft – nicht wieder in die CDU eingetreten. Bechtluft war da am Ende „ehrlicher“. Er entschied sich nach gut einem Jahr Amtszeit, wieder in „seine“ Partei zurückzukehren. Ihm war es egal, dass er als Parteiloser gewählt wurde. Beim zweiten Mal gewann er dann gleich als CDU-Mann.

Der Papenburger Bürgermeisterwahlkampf könnte somit auch 2021 wieder spannend werden – beginnend mit der Frage: Erklärt Sascha Kleinhaus öffentlich eindeutig, dass er zu keinem Zeitpunkt in seinen Leben wieder der CDU beitritt und damit nicht eine kleine oder große Mogelpackung wird?

Nun gut. Die CDU hat seit 2006 die in der Wahrnehmung „Doppelkandidaturen“ gut überstanden, die Unionspolitik blieb von der Rathausspitze aus erhalten. Auch 2021? Warten wir es ab, denn mit Vanessa Gattung tritt erstmals auch eine junge und aufstrebende SPD-Kandidatin in der „CDU-Nicht-CDU-Doch-Bürgermeisterhochburg“ an.


Die Vereine und die Pandemie

Die Pandemie und ihre Folgen – beispielsweisen für die Wirtschaft oder Bildung – werden täglich rauf und runter betrachtet. Überhaupt nicht im Fokus stehen dabei die Vereine, die von ehrenamtlichen Engagierten geführt werden. Um sie macht sich im Land der Vereine, wie Deutschland gerne bezeichnet wird, keiner Gedanken. Dabei versuchen die Vorstände auf den unterschiedlichsten Wegen, ihre Mitglieder bei Laune zu halten. Gelungenes Beispiel aus der Region gefällig? Da ist der TV Papenburg, der größte Sportverein in der Fehnstadt. Um für die Mitglieder Sport anbieten zu können, wird immer mehr Digital-Sport realisiert. Klicken Sie sich mal rein unter www.tv-papenburg.de.

Ob diese Aktivitäten reichen werden, damit nicht zu viele Mitglieder nach fast einem Jahr Sportpause austreten und finanzielle Schwierigkeiten vermieden werden können? Weiß man nicht, kann man – wie auch bei allen andern Vereinen, Chören etc. – nur hoffen. Eines weiß der TV-Präsident Bernhard Brand mit großer Gewissheit: Auf eine naheliegende finanzielle Unterstützung durch die Sportverbände kann er lange warten. „Die buchen die Beiträge, die wir an sie zahlen müssen, weiter wie selbstverständlich termintreu von unserem Vereinskonto ab.“ Offenbar läuft bei den Sportbünden und Fachverbänden der Geschäftsbetrieb wie gewohnt weiter und es gibt keine staatliche finanzierte Kurzarbeit (wobei dort ja auch weniger los sein müsste, weil es beispielsweise weniger Seminare gibt). Kurzum: Für die notwendige Solidarität in der „Sportfamilie“ müssen die Mitglieder sorgen. Wie für alle Vereine gilt: Bleiben Sie Ihrem Verein treu, fragen Sie nach, ob und wie sie in diese Zeit weiterhelfen können. Das wird den Vorständen die Kraft geben, durchzuhalten.

Nun wünsche ich einen erholsamen Sonntag und empfehle, sich in den neuen Audio-Sonntagsspaziergang rein zu klicken.

HH


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    Holger Hartwig„Aufgeschnappt” – 31. Januar 2021